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Wir vom Gymnasium Am Löhrtor sind tief betroffen und trauern um unseren Lehrer, Freund und Kollegen
Thomas Gerhardt
Über dreißig Jahre lang war Herr Gerhardt mit seinen Fächern Französisch und Erdkunde sowie als Kunst- und Musiklehrer eine Stütze unserer Schule. So wäre ohne seine Hilfe der Neuaufbau unseres Musikunterrichts in der Unterstufe nicht denkbar gewesen. Auch als Betreuer mehrerer Jahrgänge der Oberstufe war er mit seinen Schülerinnen und Schülern weit über das normale Maß hinaus eng verbunden.
Trotz seiner schweren Erkrankung war Thomas Gerhardt bis zuletzt für seine Schüler und die Schule da, indem er weiterhin viele unserer Projekte aktiv begleitete.
Thomas Gerhardt wird uns allen in jeder Hinsicht fehlen.
Gymnasium Am Löhrtor K. Schütte N.H. Dogan B. Alpers Schulleiter Schülersprecherin Pflegschaftsvorsitzende
Siegen, 10.12.2009
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Ansprache im Trauergottesdienst für Thomas Gerhardt am 15.12.2009 (Martinikirche zu Siegen)
Sehr geehrte Angehörige, sehr geehrte Freunde und
Nachbarn, liebe Schulgemeinde! Eine lustige Trauerfeier? Diesen Wunsch können wir ihm leider nicht erfüllen! Dafür ist unser Schmerz zu groß! Aber wir können uns erinnern an seine Lebenslust und an seine Fröhlichkeit und an die beneidenswerte Leichtigkeit, mit der sein privates und berufliches Leben führte.
Wenn es uns
heute gelingt, diese seine herausragenden Eigenschaften im
Vordergrund zu sehen, dann fällt uns die Erinnerung an den
Freund, den Nachbarn, den Kollegen, den Lehrer vielleicht etwas
leichter. Vielleicht tröstet es uns sogar, wenn wir uns
klarmachen,
Ein erfülltes
Leben ist nicht langweilig und es ist manchmal erfrischend
unkonventionell. Seine Lebenslust, seine Fröhlichkeit, die Leichtigkeit in seinem Leben darf man nicht verwechseln mit Oberflächlichkeit oder gar Leichtfertigkeit. – Wir wissen nicht, ob Thomas als Romanist, als Französischlehrer, ein ausgesprochener Bewunderer, ein Fan des großen französischen Philosophen Jean Paul Sartre war. Aber wir sehen, dass Thomas eine Leitidee dieses klugen Mannes verwirklicht hat. Sartre hat einmal gesagt: Leben heißt, aus seiner Existenz etwas machen. Dieser Satz klingt einfach, fast selbstverständlich – aber lässt er sich auch so einfach verwirklichen?
Thomas hat nicht
nur existiert. Er hat aus seiner Existenz nicht nur etwas,
sondern vieles gemacht: Einen Lehrer, der viel mehr war als bloß
Vermittler von Kenntnissen und Fähigkeiten. Thomas hat die
Schüler geliebt! Er hat sich gekümmert, wo er fachliche und
persönliche Nöte sah. Er ist mit Schwächen diskret umgegangen,
weil er selber kein Perfektionist war und nicht sein wollte.
Wenn er Oberstufenkurse zum Essen in sein Haus einlud und eine
Anzahl Schüler kurzfristig absagte, dann reagierte er nicht
verärgert.
Thomas hat aus
seiner Existenz vieles gemacht. Seine engeren Freunde, die
Nachbarn aus dem schönen Tecklinghausen, wir, seine Kolleginnen
und Kollegen, kannten ihn als einen zugänglichen,
gastfreundlichen Menschen. Sein großzügiges Anwesen am Rande
des Dorfes hatte stets die sprichwörtlich offene Tür. Und so wie
er die Menschen und die Künste liebte, so liebte er auch die
Natur. Auf wunderbar altmodische Weise genoss er einen
Spaziergang am besten mit einem Buch, mit Literatur in der Hand!
Er war begeisterter Segler und Segelflieger. Als nächstes wollte
er den Motor- Flugschein erwerben. In der Schule, bei Konferenzen, in persönlichen Gesprächen habe ich Thomas nie verstimmt oder verbittert erlebt. Wenn er durchs Lehrerzimmer ging und von der Bachchor-Probe des vergangenen Abends noch eine Melodie auf den Lippen hatte, dann spürte man die ihm eigene Leichtigkeit. Ich habe ihn nie klagen hören über Zeitdruck oder über zu viele Korrekturen oder über schwierige Schüler. Er war kein penibler Statistiker und war dennoch ein kompetenter Jahrgangsstufenleiter – oder besser gesagt: gerade deswegen! Für diese Gelassenheit, die ein ganz entscheidendes Fundament seiner erzieherischen Arbeit war, haben wir ihn bewundert, und sie verdient auch im Rückblick große Anerkennung! Bevor der stationäre Krankenhausaufenthalt unaufschiebbar wurde, unternahm Thomas eine letzte Reise. Diese Reise führte ihn nicht in sein geliebtes Südfrankreich, sondern nach Wien. Wir können davon ausgehen, dass er die Schönheiten dieser Stadt und ihre Kunstschätze mit besonderer Intensität genossen hat. Dass er gerade Wien wählte, deutet nicht nur auf seinen Kunstverstand hin, sondern auch auf seine persönliche Sensibilität: Wahrscheinlich haben in keiner anderen Weltstadt so viele Künstler – und vor allem Schriftsteller wie Hofmannsthal und Schnitzler – darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns selbst betrügen würden, wenn wir den Gedanken an Tod und Sterben verdrängten. Wir alle sind heute erfüllt von guten Erinnerungen an Thomas Gerhardt, wir sind erfüllt von großem Respekt und von großer Zuneigung!
Hans-Otto Seinsche
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| Letzte Aktualisierung: 19.05.2010 | www.gal.de | Copyright © 2009 Gymnasium Am Löhrtor |