Acht Monate Abenteuer, 35 Wo­chen neue Leute kennen­lernen, 243 Tage Zeit, die ecuadoria­nische Kultur ein bisschen bes­ser zu verstehen.
Ich, Debora Schmidt, ehemalige Schülerin des Löhrtors war 2014/2015 für acht Monate für einen musikalischen Dienst im Ausland. Lange Zeit vorher war immer mein Traum gewesen, für eine freiwillige Arbeit ins Ausland zu gehen.

Dieser Traum begann Wahrheit zu werden, als ich bei meiner Suche auf die noch sehr junge Organisation Musiker ohne Grenzen e. V. stieß. „Mit Musik die Welt verbessern“ ist das Motto. Am wichtigsten dabei ist, allen Kindern auf der ganzen Welt Musik zugänglich zu machen und Spaß daran zu vermitteln. Vor allem in Ecuador gibt es Projekte und als schließlich meine Entscheidung gefallen war, wurde ich einem ganz neuen Projekt im kleinen 2000-Einwohner Dorf Olón zugeteilt, welches direkt am Meer liegt. Nach einem Vorbereitungsseminar konnte es dann endlich losgehen: Auf in mein Abenteuer 8 Monate Ecuador.

Es war eine tolle, erlebnisreiche Zeit mit Höhe- und natürlich auch Tiefpunkten, aber alles in allem hat es sich definitiv gelohnt. Ich bin viel herumgereist, habe die Reiskultur besser verstanden. Außerdem weiß ich jetzt, dass Zeit ganz unterschiedlich interpretiert werden kann und Uhrzeiten eigentlich gar nicht so wichtig sind. Man kann auch mal um 4 kommen wenn man um 3 verabredet ist, und warten kann ich jetzt auch. Wo ich anfangs nur spanisch verstanden hab, kann ich mich jetzt in die Konversationen mit einbringen. Und das spanische gelispelte c und z habe ich jetzt auch gelernt. Ich habe Salsa tanzen gelernt und dass es eigentlich nur auf den Hüftschwung ankommt. Ich habe die Äquator-Sonne zu spüren bekommen und die entspannte Atmosphäre im Dorf genossen. Ich habe gelernt, mit Kochbananen umzugehen, und auch “Improvisierend kochen” perfektioniert. Ich habe mich mit den ganzen Straßenhunden und den die-ganze-Nacht-durchkrähenden Hähnen angefreundet. Ich habe viele Leute aus der ganzen Welt kennengelernt und die Gastfreundschaft der Ecuadorianer hautnah miterlebt. Wir selber sind quasi überall als Stars gefeiert worden, als wir dann schließlich auch selber mit unserem Koordinator Jonny Konzerte gesungen haben und wir haben Gänsehaut bekommen, wenn wir den Anklang beim Publikum auf ihr allerliebstes Lieblingslied „vasija de barro“ gespürt haben.

Natürlich kam dabei aber meine eigentlich Aufgabe auch nicht zu kurz. In der Musikschule, die wir schließlich neu aufgebaut hatten, hat sich echt viel getan. Wir haben die Außenwand gestrichen, Instrumente angeschafft, ein Logo entworfen, T-shirts bedruckt, jede Menge Konzerte gehabt und ganz viele Kinder mit der Musik glücklich machen können und sie ins Herz geschlossen. Es war so schön zu sehen, wie sehr sich unsere Schüler seit ihrem Anfang verbesserten, vor allem, weil sie vorher gar keine musikalischen Kenntnisse besaßen, und so konnten sie am Ende Klavier, Geige Gitarre, Flöte oder sogar Schlagzeug spielen. Es war echt cool, wie gerne unsere Schüler zu uns gekommen sind, manche jeden Tag und die ganze Zeit, weil's Zuhause sonst so langweilig ist. Bei all dem fleißigen Proben unter Umständen, die man sich hier kaum vorstellen kann (man konnte seine Schüler vor lauter Lärm kaum hören), kam natürlich auch der Spaß nicht zu kurz und des öfteren endeten unsere Musikschulstunden draußen mit Renn- und Fangspielen oder am Strand.

Schlussendlich war es eine sehr wertvolle und erlebnisreiche Zeit für mich und ich werde immer wieder an meine zweite Familie mit vier Geschwistern dort in Ecuador denken müssen. Wenn du Spaß an Musik hast und gerne eigenverantwortlich arbeitest, ist dieser musikalische Freiwilligendienst mit Musiker ohne Grenzen bestimmt das Richtige für dich. Es ist wirklich absolut empfehlenswert, eine solche Chance am Schopf zu packen, denn vor allem ihr, die ihr noch zur Schule geht: Aus dieser Zeit bringt ihr einen ganzen Koffer voller Erfahrungen mit und lernt ganz nebenbei jede Menge für euer Leben, von dem ihr noch lange zehren könnt.