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Ein mit Schneespray (“GAL Rugby on Tour”) eingesprühter Mercedes Neunsitzer verlässt um 15 Uhr den Schulhof. An Bord sind acht Schüler – fünf Jungen und drei Mädchen – und ein Lehrer als Chauffeur. Man trägt vom Förderverein bezahlte, eng anliegende schwarze Trikots mit einem seltsamen Logo, auf dem ein vom Krönchen gekröntes Ei zu sehen ist.

Alle haben Stollenschuhe dabei und Mundschutz. Wohin bricht diese seltsame Reisegesellschaft auf? Man munkelt, es gehe an den Rhein. Zum Angeln oder Segeln vielleicht?

Rugbyvereine gibt es 125 in Deutschland. Fußballer hierzulande sind in 24.000 Vereinen organisiert. Deutschland ist also ganz eindeutig Rugby-Entwicklungsland. Doch am Löhrtor wird Entwicklungshilfe geleistet. Seit dem Beginn des Schuljahres trainiert auf dem Bertramsplatz, fußläufig zur Schule gelegen, jeden Donnerstag um 15:15 Uhr die Rugby AG, der zur Zeit noch zumeist Neuntklässler angehören. Bei Wind und Wetter, ohne Umkleiden.
Warum gerade Rugby? Rugby ist in vielen englischsprachigen Ländern ein typischer Schulsport. Es ist ein Mannschaftssport, bei dem es auf Kraft, Geschicklichkeit und Respekt vor dem Gegner ankommt. Der eiförmige Ball kann mit den Händen gepasst oder gekickt werden, es gibt verschiedene Möglichkeiten, Punkte zu erzielen und – das macht den ganz besonderen Reiz aus – es findet harter, aber fairer Körperkontakt statt. Genau das richtige also für Schüler, die den lieben, langen Tag die Schulbank drücken oder am Bildschirm hocken.

Nach dreieinhalb Monaten Einarbeitung in diesen - zugegebenermaßen - theoretisch wie praktisch recht anspruchsvollen Sport fand nun am Donnerstag, den 9. Dezember, in Düsseldorf unser erstes Spiel statt. Ausgerichtet wurde es von der Internationalen Schule in Düsseldorf, deren Mannschaft durchaus erfahren ist. Die meisten Spieler sind Engländer oder Franzosen, aber auch ein Schwede war dabei. Nach einem gemeinsamen Training, welches der Engländer Dave Whitley leitete, war es unter dem Flutlicht der Schulsportanlage unweit des Flughafens Zeit zum Antritt.

Unsere Schulmannschaft, geführt von den Kapitänen Max und Alexandra gelang ein absoluter Überraschungscoup. Durch einen vorher abgesprochenen Spielzug gelang es uns, in Führung zu gehen. Zweimal legte Max den Ball im gegnerischen Malfeld ab, nachdem er alle Verteidiger abgestreift hatte. Danach drehte die Internationale Schule allerdings den Spieß um und dominierte durch ihren kraftvolleren und koordinierteren Einsatz den Rest der ersten Hälfte. Nach dem Wiederanpfiff ließen die unsere Spieler aber keinesfalls den Kopf hängen, und es gelang Lejs, über links kommend mit Hilfe einer schönen Passkombination mit mehreren Mitspielern und alle Tacklings des Gegners an sich abprallend lassend, einen weiteren Versuch zu legen. Am Ende hieß es zwar 31:15 für die Heimmannschaft, aber die Feuertaufe unserer AG verlief viel erfolgreicher als erwartet.

Nach dem Abpfiff gab es ein weiteres Spiel, wobei diesmal die Mannschaften gemischt wurden. Kommuniziert wurde zumeist wohl auf Englisch, aber auch viel Französisch und Deutsch waren zu hören auf dem Platz. Zum Abschluss gab es Grillgut für alle, bevor wir im vom Förderverein gesponserten Bus die Heimfahrt antraten, um gegen 22 Uhr wieder in Siegen einzutreffen.
Nach dem tollen Einstand möchte sich die Rugby AG nun vergrößern. Ab sofort sind auch 8. Klässler und Q1er herzlich eingeladen, am Training teilzunehmen. Außer Spaß am Kontaktsport und einer gewisse Abhärtung gegenüber dem Siegerländer Wetter gibt es keine Voraussetzungen. Interessenten wenden sich an Herrn Roth. Und ja, das Schneespray ließ sich wieder abwischen.
Mitgespielt haben: Max, Alexandra, Lejs, Gent, Nils, Jana, Anouk und Lukas, von welchem der Chauffeur auf der Rückfahrt eine Lektion in Quantenphysik erhielt, während er sich durch das Sauerländer Schneegestöber kämpfte.