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Es waren einmal drei beste Freundinnen: Julia, Caro und Eva. Ich, die ich diese Geschichte erzähle, bin Eva. Wir drei sind einfach unzertrennlich. Alles machen wir zusammen. Eines schönen Nachmittags saßen wir in Caros Garten. Wir unterhielten uns über die Dinge, die man sich an so ´nem normalen Nachmittag eben erzählt. Plötzlich kamen wir auf das Thema Ferien. Ich fragte meine Freundinnen, ob sie verreisen würden.

Beide schüttelten traurig die Köpfe. „Fährst du denn weg?“, fragte Julia. Die Frage musste ich leider verneinen. Meine Familie hatte noch nichts besonderes geplant. „Ach, wisst ihr was? Ich wünschte, wir drei könnten einfach so zusammen ohne Eltern nach Ägypten reisen“, sagte Julia mit verträumtem Blick zum Himmel gerichtet. „Davon träumst du wohl!“, kicherte Caro. Und Julia antwortete darauf mit fester Stimme: „Ja davon träum´ ich wohl.“. An diesem Nachmittag redeten wir nicht mehr besonders viel. Die eine wie die anderen hing nur ihren Gedanken nach.

„Wisst ihr was,“ sagte Caro am nächsten Morgen, „vielleicht ist es ja doch möglich, nach Ägypten zu kommen!“. „Wie meinst du das denn?“, fragten Julia und ich wie es einem Mund. Daraufhin erzählte uns Caro etwas von einem Reiseveranstalter, der eine Reise zu einem beliebigen Ort oder Land verschenkt, wenn man einen ganz bestimmten Gegenstand bzw. ganz bestimmte Gegenstände fand, die vorgegeben wurden. „Wow, das hört sich ja richtig spannend an!“, meinte ich. „Aber was wäre dann mit unseren Eltern?“, fragte Julia. „Ach die kriegen wir bestimmt überredet, wenn wir ihnen erzählen, dass dann ein Betreuer, der auf uns aufpasst, mitfährt!“. „Super Idee! Und was sind das für Gegenstände, die wir dafür finden müssen?“, fragte nun Julia. „Das lass mal meine Sorge sein“, meinte ich, „damit komme ich bestimmt klar. Caro muss mir nur sagen, wie dieser komische Laden heißt.“. „Bist du dir sicher, dass du das wirklich machen willst? Alleine meine ich. Aber wenn du meinst. Das Problem ist nur, dass die Leute dort etwas seltsam sein können. Aber... ich denke,alessia1 damit wirst du schon fertig. Der Veranstalter heißt übrigens Present Travel. Du findest ihn in der Mövenpickstraße.“, meinte Caro jetzt. Kurz darauf war alles klar. Uns würde die Reise geschenkt werden, wenn wir einen besonderen Bergkristall fänden. „Wo sollen wir den nur finden?“, fragte Caro mich, als wir uns nachmittags verabredeten. „Ich hätte da einen Ort,“, sagte ich plötzlich,„bei uns in der Schule gibt es ein Regal mit Glas davor, welches die verschiedensten Bergkristalle beinhaltet.“ „Glaubst du, da ist der richtige dabei?“, frage Caro skeptisch. „Ja, ich bin da ganz optimistisch. Ich habe das so im Gefühl.“ „Na, wenn du das meinst...“ Kurz darauf standen wir vor dem Regal. Doch Caro war an ganz anderen Dingen interessiert als den Bergkristallen. „Oh, der Wels ist aber süß!“

„Jetzt konzentrier dich mal! Sei froh, dass der Hausmeister uns an diesem Sonntag-Nachmittag überhaupt reingelassen hat!“ „Jaja schon gut! Aber willst du die Steine klauen?“ „Dafür habe ich schon gesorgt! Mir wurde erlaubt, einen Stein für vernünftige Zwecke zu nehmen.“ „Wow, gute Ausrede! Nur welchen sollen wir nehmen“, fragte nur Caro. „Lass uns einfach den nehmen, der uns am besten gefällt!“, meinte ich. alessia2Also ging nun die Suche nach dem schönsten Stein los. „Wie wäre es mit dem kristallblauen oder doch lieber dem weißen?“, Caro verzweifelte schon fast bei dieser großen Auswahl. Da hatte ich einen guten Lösungsvorschlag: „Wie wäre es, wenn wir einen Stein nehmen, der uns beiden gefällt?“ „Das ist eine super Idee und ich glaube, ich weiß sogar schon, welchen wir nehmen!“. Stolz zeigte Caro mir einen wunderschönen Bergkristall. Dieser war (wie schon gesagt) wunderschön, hatte gleichmäßige Zacken und war an manchen Stellen etwas gelblich. Der musste es sein! Wir ließen uns den Kristall vom Hausmeister geben, bedankten uns vielmals und gingen fröhlich nach Hause. Morgen würden wir Julia den Bergkristall zeigen und ich würde vielleicht sogar schon zum Reisebüro gehen.
alessia3Doch bevor wir nach Hause gingen, wollte Caro unbedingt noch die Schule besichtigen. Als wir am Physik-Lehrsaal vorbeikamen, hatte Caro eine Frage an mich: „Was ist das denn für ein Stundenplan?“ fragte sie. „Das ist der Physik-Stundenplan. Dort wird beschrieben, wann welche Klasse dort Unterricht hat.“ „Ach so ist das. Klingt irgendwie einleuchtend!

alessia4Auf dem Rückweg schien nicht die Sonne. Im Gegenteil. Der Regen peitschte und der Wind pfiff so, dass ein Autofähnchen auf dem Parkplatz wegzufliegen drohte. 

Am Zebrastreifen verabschiedeten wir uns voneinander und gingen zu unserem jeweiligen Zuhause.

alessia5Als ich dann endlich ankam, machte ich es mir mit einem Fantasy-Buch auf meiner Couch gemütlich. Plötzlich kam meine Mutter mit dem Telefon in der Hand ins Zimmer. „Hier für dich!“

„Hallo, hier ist Julia. Ich wollte nur mal hören, ob ihr schon einen passenden Kristall gefunden habt!“ „Und wie wir einen gefunden haben!“ Ich erzählte Julia von unseren Erlebnissen in der Schule und auch, dass ich morgen wahrscheinlich zum Reisebüro gehen würde. Julia freute sich darüber, dass dieser Punkt mit dem Gegenstand schon geklärt war und fragte mich: „Kann ich denn morgen mitkommen?“ „Wenn du magst! Von mir aus gerne! Verstärkung kann man bei so etwas immer gut gebrauchen!“ Also war es nun offiziell. Morgen würde ich mit Julia zum Reisebüro gehen und den Stein „prüfen“ lassen. Wir zwei waren riesig aufgeregt. Ob das klappen würde? Ich hätte gerne mit Julia weiter gequatscht. Sie aber musste jetzt leider ihrer Mutter helfen. Julia hatte das nämlich versprochen. Wir verabschiedeten uns voneinander und ich widmete mich wieder in Ruhe meinem Buch.

Am nächsten Morgen erwachte ich schweiß­gebadet in meinem Bett. Ich hatte einen ganz seltsamen Traum:

An der Ecke von Payers` Blumenladen wartete wie verabredet Julia auf mich, damit wir gemeinsam zum Reisebüro losschlendern konnten. Das taten wir dann auch. Im Reisebüro hatte man schon auf uns gewartet. Denn es gab eine festgelegte Zeitspanne, in der der Gegenstand gefunden werden musste. Wir kamen ins Reisebüro. Der eine Angestellte kam direkt auf uns zu und meinte nur: „Na ihr zwei Dämchen, ihr wolltet doch die Reise nach Ägypten geschenkt haben? Na dann zeigt mal her!“ Wir zeigten ihm also den Stein. Lachend schüttelte er den Kopf. „Das ist nicht der richtige. Kein Stein ist der richtige! Wir machen das nur damit die Leute die Reise trotzdem noch buchen und eben auch bezahlen. Bei der Gelegenheit kann man sich so eine Reise ja mal gönnen...“. „Das ist aber ganz schön fiese Abzocke!“, sagte Julia empört. „Aber nein, das ist nur Geschäft, nichts weiter. Euch kann ich es ja ruhig sagen, ihr wärt sowieso nicht in der Lage, das zu bezahlen. … Außer eure Eltern würden vielleicht … „Das können sie vergessen!“, diesen Satz sagte Julia und nahm mich schweigend an die Hand.

Tja und bei diesem Punkt wachte ich auf. Ich hatte nun richtig Angst, dieser Traum würde Wirklichkeit werden. Es kommt ja manchmal vor, dass Träume in eine Art Vision übergehen können. So ähnlich war das doch mit dem Propheten Jesaja, nur dass dieser nicht träumte, sondern die Geburt Jesu einfach vorhersagen konnte. Aber da dachte ich mir, lieber keine Sorgen machen, sonst passiert das vielleicht wirklich so oder meine Sorgen sind sowieso völlig unbegründet. Also wartete ich mit klaren Gedanken beim verabredeten Punkt auf Julia. Als Julia dann endlich kam, sprach sie mit aufgeregter Stimme: „Stell dir vor, ich habe geträumt, es wäre der richtige Stein gewesen und wir hätten wunderschöne Ferien in Ägypten verbracht. Mit einer Nilfahrt, Besichtigung bei der Cheops-Pyramide und den Pyramiden von Gizeh mit der Sphinx. Es war einfach unglaublich...“ „Du, Julia. Ich hab genau das Gegenteil geträumt.“ „Du hast was? Na das ist ja mal ein Zufall. Mal sehen, was von den beiden Träumen in Erfüllung geht...“ Mit diesen Worten betrat Julia das Reisebüro. Beim Erzählen waren wir inzwischen nämlich schon längst angekommen. „Hallo, da bist du ja wieder, Eva!“ Fröhlich begrüßte mich der Angestellte vom letzten Mal. „Und eine Freundin hast du auch mitgebracht! Wie heißt du denn?“, fragte der Angestellte Julia. „Ich bin Julia und meine beiden Freundinnen, also Eva und so ein Mädchen, wir würden gerne nach Ägypten reisen!“ „Also erstmal Julia, ein wunderschöner Name. Dann zeig mal her den Stein.“ Stolz zeigte Julia den Bergkristall. „Ob ihr es glaubt oder nicht. Es ist der richtige Stein! Super gemacht Mädels. Die Reise gehört euch. Nur … ein Problem gibt es bei der Sache schon. Eure Eltern müssten schon mitfahren. Natürlich auch kostenlos. Euer Fünf-Sterne-Hotel liegt ungefähr hier nahe der berühmten Pyramiden von Gizeh...“ So erzählte uns der Angestellte alle Infos. Als ich zu Hause bei Caro anrief und ihr alles erzählte, war diese richtig aus dem Häuschen: „Wow! Das hat ja dann richtig gut geklappt. Nur dass die Eltern mitkommen müssen, ist ein bisschen doof. Aber das macht nichts, Hauptsache wir kommen in den Urlaub!“ Als wir, also Caro, Julia und ich, unseren Eltern von unseren Erlebnissen und dem abschließenden Erfolg erzählten, dachten sie, wir würden Witze machen. „Das ist doch nicht euer Ernst, wollt ihr uns vergackeiern?“ „Nein, das ist unser voller Ernst!“ Und so zeigten wir unseren Eltern die entsprechenden Reiseunterlagen.

„Wow, dieser Urlaub war echt der beste Urlaub, den ich je erlebt habe!“, sagte Julia in Caros Garten, „mein Traum ist in Erfüllung gegangen!“