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Es war ein grauer Regentag. Wir schlichen durch die Gänge der Schule. Wie ich das hasste. Genau wie nach jeden sonnigen Ferien fing die Schule mit einem kalten grauen Schultag an. Noch nie hatte nach den Ferien die Sonne geschienen.

Es läutete. Wir gingen in die Klasse und die erste Stunde begann. Ich sah aus dem Fenster. Der Schulhof war nass. Es regnete immer noch. Würde es jemals aufhören?

Dann läutete es wieder. Ich hatte die Zeit völlig vergessen! Ich rannte zu meinem Schließfach, um meine Mathebücher zu holen. Plötzlich fiel mir auf, dass es ganz leise war. Sonst war es in den Pausen immer laut. Ich machte mir nichts daraus und ging weiter zum Schließfach. Als ich es öffnete, hörte ich für einen Moment gar nichts, dann doch wieder etwas. Aber nicht den Regen, nein. Ich hörte zirpende Grillen! Was war hier los? Ich schloss meine Augen für einen Moment, doch als ich sie wieder öffnete, sah ich das Unfassbare: Vor mir lag ein kleiner See und ich war umgeben von Dschungel. Ich drehte mich um, aber da war nichts, nichts außer Dschungel. Wo war ich hier? Wo bin ich hergekommen? Die Sonne schien mir aufs Gesicht. Es war so schön hier, und auf Mathe könnte ich gut verzichten. Ich lauschte dem Plätschern des Wassers, aber ich vergaß die Zeit. So saß ich den ganzen Tag am See, ohne jegliche Sorgen. Ich dachte gar nicht daran, zurück in die Schule zu gehen, aber wie hätte ich das auch tun sollen? Doch meine Gedanken wurden unterbrochen. annika5Es hörte sich zuerst an wie ein leises Tippeln, aber es wurde immer lauter…dann wurde es dunkel und die Nacht brach herein. Ich war ganz allein und das Stampfen näherte sich immer schneller. Mal kam es von links, mal von rechts, mal von vorne, mal von hinten, doch dann plötzlich… flüsterte da jemand? „Hallo?“, rief ich etwas ängstlich, wollte aber mutig klingen. Ein Raunen und ein leises Gekicher war zu hören, dann war es leise und ich schlief ein. Etwas rüttelte an mir, es war kalt und nass. Ich beachtete es nicht, doch dann biss es mich in den Finger. „Au!“ Es wich zurück. Das sieht ja aus wie unsere Schulschildkröte! „Was machst du denn hier?“, fragte ich, „Bin ich jetzt endgültig verrückt geworden? Oder warum rede ich mit Schildkröten?“

Ich lachte, doch dann folgte das Unfassbare. „Nein, du bist nicht verrückt!“, sprach jemand. „Wer? Was…?“, stammelte ich, „Redest du jetzt, Joshi?“, fragte ich die Schildkröte, „Nein, du Dummerchen, hier unten!“ Ich sah auf den Boden und direkt neben mir saß ein kleines Mädchen, das so aussah, als käme es gerade aus dem Mittelalter oder zumindest aus den 70ern. „Du hast also auch das Zeitenfach geöffnet“, sagte es zu mir. „Zeitenfach?“, fragte ich, „Was ist denn ein Zeitenfach?“.

„Das ist das Schließfach, und es hat dich aufgesaugt. Du bist gerade auf dem Schulgelände vor zwei Millionen Jahren!“ „Heißt das, dass hier mal meine Schule steht?“ „Ja, und auch meine.“ Ich verstand nur langsam. „Sind hier noch mehr Kinder?“, fragte ich sie. „ Ja, noch ein kleiner Junge, aber du kannst mich Elizabeth nennen.“ „ Elizabeth?! Aus welchem Jahr kommst du denn?!“ „ Aus dem 15. Jahrhundert, wenn du es genau wissen willst.“ „ Ah, ok. Anscheinend wird man hier nicht älter.“ „Nein, aber wenn man nicht zurückkommt, vergeht die Zeit außerhalb trotzdem.“ „Gibt es denn keinen Weg zurück?!“ „Doch, der kleine Junge hat mir erzählt, man müsse den verlorenen Schatz finden, dann würde hier über dem See eine Tür erscheinen“, sagte Elizabeth zu mir. „Dann müssen wir den Schatz finden!“ Wir gingen los und machten uns auf die Suche nach irgendetwas. Ich hatte keine Ahnung, wonach wir überhaupt suchten. „Was ist das denn?“, fragte mich Elizabeth.

annika6Vor uns lag ein kleines Häuschen aus Bambus. „Was soll das?“ Ein Junge kam aus dem Häuschen.

„Willkommen an meiner Strandbar!“, rief er, und als er auf uns zukam, wurde er immer größer, bis er ca. einen Kopf größer war als ich. „Na ihr!“ „Hi…“, sagten wir. „Bist du neu hier?“ „Ja, könnte man so sagen. Seit einer Woche. Mir war langweilig, da habe ich diese Bar gebaut, aber es war noch niemand hier.“ „Naja, mit dir sind wir jetzt vier. Wie sind wir eigentlich durch das Schließfach hier her gekommen?“ „Das wissen wir alle nicht“ , sagte Elizabeth.

Jemand rief mich, nicht schon wieder, dachte ich. „Nadja“ „ Was ist? Wer bist du?“ Die Stimme erinnerte mich an meine Lehrerin. „Eine Frage noch: Bist du Jeremy aus der 7b?“ „Yep, der bin ich.“ „Ah, dann warst du der Vorbesitzer von meinem Schließfach. Hab einen Test von dir gefunden, wo dein Name draufstand. Mathe. 5-.“ Elizabeth fragte ihn, ob er mit nach dem Schatz suchen wollte. Jetzt suchten wir zu dritt. Wir durchquerten den Dschungel und fanden nichts. Es wurde dunkel. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Wir würden niemals ankommen. Doch kurz bevor wir unser Lager aufschlagen wollten, sahen wir es, das rettende Licht. Irgendwie wusste ich, dass es die Rettung war. Es war der spannendste Moment in meinem Leben, doch dann… „Nadja!“ - nicht jetzt, bitte nicht jetzt! Ich will zum Licht, ich will nach Hause!- „ Nadja!“ Ich schloss meine Augen für einen Moment und als ich sie wieder öffnete, war die Stimme verschwunden. annika4Alles war verschwunden, sogar der Dschungel, da war nur noch das Licht. Ich bewegte mich automatisch darauf zu, und erkannte, dass das Licht von einem Kristall stammte.

Daneben war ein großer, durchsichtiger Kasten. „Elizabeth?! Jeremy?!“ Keine Antwort. Ich war ganz allein, irgendwo im Nirgendwo. Ich sah mich um. Da war nichts. Halt! Ich schielte hinter mich. Eine weiße Maske! Plötzlich schoss sie auf mich zu. Ich rannte zu dem Kristall. Dann sah ich, warum dort ein Glaskasten war. Er zersplitterte und ein Schwert aus Silber lag vor mir in den Glasscherben des Kastens. Ich griff danach und die Maske stoppte; dann sprach jemand zu mir: „Nadja, so heißt du doch, oder? Jemand hat dich gerufen, aber du bist nicht gekommen. Wieso hattest du den Wunsch, hierher zu kommen?“ „Ich äh… ich… ich weiß nicht mal wer oder was du bist!“ „Tu nicht so, als ob du das nicht wüsstest! Du hast dir doch gewünscht, zu mir zu gelangen!“ Das kleine etwas nahm die Maske ab und hob das Schwert auf, was ich vor Aufregung hatte fallen lassen, und drückte es mir wieder in die Hand. Als es mich berührte, wurde es plötzlich immer größer, bis es ungefähr einen halben Kopf größer war als ich. „ Ähhh…“, rutschte es mir heraus, „Wie bist du so groß geworden?“

annika1„Naja, bevor der Dschungel mich verschlang, bin ich weggerannt, doch dann hat er mich doch zu fassen bekommen und hierher gebracht.“ „Aha…aber wie kann der Dschungel uns verschlingen, und wie bist du so mini geworden?“ „Ach so, stimmt ja, hatte ich vergessen. Scherz, also, als ich hier angekommen war, bin ich auch zu dem Licht gerannt und als ich den Kristall berührte, bin ich so mini, wie du es zu sagen scheinst, geworden. Deshalb wollte ich dich auch von da wegjagen, ist aber nicht gelungen. Dass der Dschungel einen verschlingt, mein ich damit nicht, ich meine verfolgt zu werden“. „Ah, jetzt versteh ich, aber wir müssen immer noch aus diesem schwarzen Loch herauskommen! Wie heißt du eigentlich?" „Sebastian. Also, das hier herauskommen ist kein Problem mehr“, antwortete er mit einem verstohlenem Grinsen und einem Blick auf das Schwert und den Kristall. „Wenn du weißt, was ich meine: Hau drauf und das richtig!“ Ich zerschlug mit dem Schwert den Kristall, schnappte mir den leuchtenden Inhalt und plötzlich waren wir wieder am Ausgangspunkt angelangt, leider etwas daneben… wir saßen im See.

„Oh Nein!“ rief ich, „Warum sind wir wieder hier? Und wo ist dieses verflixte leuchtende Ding abgeblieben?“ Dann begann der ganze See zu leuchten. Sebastian und ich liefen aus dem Wasser, was inzwischen Gold war und Funken sprühte. Da kamen die Anderen angerannt, mit dem kleinen Jungen, von dem Elizabeth erzählt hatte. Dann kam das leuchtende Etwas, ein goldener Pokal, aus dem Wasser geschwebt und daraus wuchs eine Blume, die sich in eine Tür verwandelte.
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Diese öffnete sich und wir wurden alle von ihr aufgesaugt. „Nadja, Nadja!“ Ich öffnete die Augen und stellte fest, dass ich in der Klasse eingeschlafen war, und ich mich immer noch in der Englisch-Stunde befand. Als es dann nach einem Streit mit meiner Lehrerin endlich klingelte, ging ich zu meinem Schließfach und dachte schon, ich hätte alles nur geträumt, doch darin standen, warum auch immer, der Pokal und das Schwert! Und in der nächsten Stunde stellte unser Mathelehrer uns eine neue Schülerin vor. „Elizabeth!“, rief ich und sie lachte. Ich hatte also doch nicht geträumt!