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Paul Rolland und die Rolland-Methode in den USA

Der gebürtige Ungar Paul Rolland hatte in seiner langjährigen Tätigkeit als Professor für Violine und Violindidaktik an der Universität Illinois seit 1966 elementare Bewegungsabläufe auf Streichinstrumenten analysiert und die Ergebnisse in einem umfangreichen pädagogischen Werk vorgelegt. Das Ziel dieses Programmes war es, den instrumentalen Streicherunterricht in Klassen und Gruppen an High-Schools neu zu konzipieren und zu verbessern.

Die aus dieser Arbeit hervorgegangene Rolland-Methode wird im Regel-Unterricht an den nordamerikanischen allgemeinbildenden Schulen ab dem Alter von 8 bis 10 Jahren mit großem Erfolg angewendet. Sie basiert auf einer physiologisch konsequent durchdachten und logisch ausgeführten Didaktik, die kompromisslos dem obersten spieltechnischen Ziel Paul Rollands dient, Natürlichkeit und Spannungsfreiheit der Bewegungen am Instrument zu erreichen.

Drei seiner didaktischen Grundsätze lauten:

MOVE IT IF IT IS STIFF!

FROM THE KNOWN TO THE UNKNOWN!

TEACH MUSIC THROUGH MUSIC!

Die Methode vermittelt den Kindern Grundtechniken in leicht nachvollziehbaren, bildhaften Anweisungen, wobei immer folgende Prinzipien berücksichtigt werden:

Alle Bewegungsübungen betreffen den Körper als ganzes, d.h. um Verspannungs-Probleme zu vermeiden, wird auch der "gymnastische" Aspekt trainiert. Zuerst werden grobmotorische, also nahe am Rumpf verursachte Bewegungen gelernt, später fein-motorische, also die der Finger. Alle Lernschritte sind minuziös aufgegliederte Elemente, die in kleinsten Schritten immer vom Bekannten zum Unbekannten schreiten und Grundtechniken wie z.B. Spiccato und Vibrato bereits in den ersten Wochen anlegen. Es tritt mit jeder neuen Aufgabenstellung nur ein einziges neues Problem hinzu. In seiner Konsequenz ist dies ein radikal neuer Denkansatz, in dem die Musik das entscheidende Medium ist: Sämtliche Übungen werden sehr oft aufgegriffen und verfeinert und für jeden neuen Lernschritt ist Literatur vorhanden, damit das Gelernte sofort in der musikalischen Praxis angewendet werden kann.

Zwei eng miteinander in Verbindung stehende und jedem Besucher eines SKU sofort auffallende Besonderheiten prägen den Unterricht nach Paul Rolland: "Team-Teaching" und "Class-Pacing".

Zwei LehrerInnen bilden ein Team: dadurch soll die instrumentale Kompetenz für ein hohes und ein tiefes Streichinstrument zusammengeführt werden. In der Idealvorstellung unseres Projektes soll gleichzeitig mit der Kombination Instrumentalpädagoge(in)/ SchulmusikerIn die manchmal unselige Trennung zwischen den Institution der Musikerziehung in Deutschland - Musikschule und allgemeinbildende Schule - ein Stück weit überwunden werden.
Das "Team-Teaching", also das gleichzeitige Unterrichten zweier LehrerInnen, ist nur bei einer intensiven Vorbereitung, in der die Rollenverteilung innerhalb einer Unterrichtsstunde genau abgesprochen ist, sinnvoll. Dann aber hat es mehrere für den SKU entscheidende Vorteile: die Schüler erleben in jeder Stunde einen Wechsel des vor der Klasse demonstrierenden und die Übungen leitenden Lehrers. Jedes Streichinstrument kann überzeugend vorgespielt werden. Vor allem aber ist die jeweils andere Lehrkraft frei für individuelle Hilfen und Korrekturen. Idealerweise sollte jedes Klassenmitglied einmal in jeder Stunde eine direkte "Ansprache" erfahren haben, die allerdings in der Regel wortlos durch Führen von Bewegungen, Korrekturen von Haltungen oder aufmunternde Blicke oder Gesten erfolgt. Dieses In-der-Klasse-"Unterwegssein" wird mit dem Begriff "Class-Pacing" beschrieben. Wenn die SchülerInnen gelernt haben, sich dadurch nicht in ihrer Konzentration auf den vor der Klasse agierenden Lehrer ablenken zu lassen, ist diese Unterrichtsform äußerst effektiv.