Im Oktober des letzten Jahres hatte ich die einzigartige Chance auf einen zweimonatigen Schüleraustausch nach Lima in Peru. Als eine von vielen Bewerbern wurde ich mit 24 anderen Schülern aus NRW überraschenderweise angenommen.
Der 15-stündige Flug mit einem Zwischenstopp in Madrid verlief gut, jedoch wurden die Koffer nicht mit umgeladen und kamen leider erst später an.
Mein Austauschpartner heißt Rodrigo und ist 16 Jahre alt. Seine Familie hat mich freundlich bei sich zu Hause aufgenommen und ich bekam ein eigenes eingerichtetes Zimmer mit Bad.
Mit uns lebten die Haushälterin, welche sich um den Haushalt kümmerte und ein kleiner Hund namens Luke. Ich ging jeden Tag mit in die deutsch-peruanische Schule Alexander-Von-Humboldt und nahm am regulären Unterricht teil. Um 12 Uhr gab es immer einen extra organisierten Spanischunterricht für alle deutschen Austauschschüler. Am Wochenende wurden viele Ausflüge mit mir geplant. Wir waren in Paracas, einer Halbinsel, wo ich zum ersten Mal auf einem Kamel gesessen habe und in einem Wasserpark war. In einer anderen Stadt namens Azpitia sind wir Quad gefahren und am Strand schwimmen und surfen gewesen. Außerdem war ich auf einem peruanischen Prom (große Feier) der Schule eingeladen, bei dem viel zu spanischen Liedern getanzt wurde. Wir haben einen Inka-Markt besucht, wo ich Souvenirs mit peruanischen Pesos (Währung) gekauft habe. Einmal sind wir mit einem Bus in ein Dorf gefahren, in dem peruanische Kinder unterrichtet wurden und lebten, die keine Eltern mehr hatten.
In Peru gibt es große Berge, Meer, Wüste und woanders auch Urwald, jedoch keinen Wald wie bei uns in Deutschland. Leider konnte ich in meiner Freizeit dort nicht einfach so raus gehen, da es zu unsicher war. Einiges in Peru war etwas anders als in Deutschland, zum Beispiel gab es wenig Verkehrsregeln, aber auf den Straßen war immer viel los und allgemein ist das Land deutlich ärmer.
Trotzdem konnte ich mich auch mal mit anderen Austauschschülerinnen, die ich beim Austausch kennengelernt habe, in einer riesigen Shopping Mall treffen und Zeit zusammen verbringen. Ich habe viel typisches Essen probiert, wie zum Beispiel Ceviche (roher Fisch mariniert in Tigermilch und Zitrussaft), Empanadas (gefüllte Teigtaschen) oder Chicha (Getränk aus rotem Mais).
Meine Sprachkenntnisse haben sich über die Zeit dort verbessert, so dass mir die Kommunikation gegen Ende deutlich leichter fiel.
Trotz der schönen Erlebnisse kommt es bei einem Austausch auch mal vor, dass man Heimweh nach der Familie hat oder seinen normalen Alltag vermisst.
Rodrigo kam 3 Wochen nach meiner Ankunft in Deutschland ebenfalls für 2 Monate zu mir nach Siegen. Er bekam mein Zimmer und uns war es wichtig, dass er sich wohl fühlt. Direkt am Tag nach seiner Ankunft konnte er zum ersten Mal Schnee sehen und Schlitten fahren, was es in Peru nicht gab. Auch wenn es für ihn ungewohnt kalt war, hatte er sich das sehr gewünscht und war vom Schnee fasziniert. Wir haben viel mit ihm unternommen, waren im Phantasialand, beim Karneval, in der Atta-Höhle und sind mit dem Zug nach Köln gefahren.
Er ist oft mit mir zum Leichtathletiktraining gegangen und wir waren auch mal schwimmen oder bouldern. Das deutsche Essen fand er sehr lecker, vor allem den Döner. Meinen Bruder und einige Freunde von mir hat Rodrigo auch kennengelernt. In der Schule war er etwas verschlossener und hat nicht so viel geredet, obwohl er ziemlich gut deutsch konnte. Dafür hat er uns im Spanischunterricht gut unterstützt und kam etwas aus sich heraus.
Es ist anfangs ein bisschen ungewohnt gewesen, eine Person mehr im Haushalt zu haben, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran und als er wieder weg war, hatte ich manchmal sogar das Gefühl, dass jemand fehlt.
Einiges war in Deutschland anders als in seiner Heimat und auch das musste er erst einmal verstehen und sich dem etwas anpassen.
Für meine Eltern war der Austausch auch etwas Besonderes, da Rodrigo für diese Zeit wie ein weiteres Familienmitglied war und sie die Verantwortung trugen.
Auch wenn sie Rodrigo noch nicht kannten und er sie nicht, gab es von Anfang an ein gutes Verhältnis. Man hat sich gegenseitig über einige Themen befragt und berichtet.
Die Zeit ging schneller vorbei als gedacht und der Abschied fiel uns nicht leicht. Ich denke, dass wir weiterhin in Kontakt bleiben werden und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja noch einmal wieder.
Sina, Klasse 10

