Diese – und viele andere – lateinischen Wörter zieren eine Landkarte aus dem Jahre 1620, die das damalige Serbien zeigt. Was heute ein unabhängiger Staat ist, gehörte damals zum Königreich Ungarn oder zum Osmanischen Reich. „Singidunum“ steht für Belgrad, „capitur“ bedeutet „wird erobert“.
Dieses reich mit Kartuschen verzierte mehrere tausend Euro wertvolle Objekt befindet sich im Original in der Münchener Staatsbibliothek und wurde von einer Gruppe von Lateinschülern der EF in Begleitung von Frau Seemann-Lotz und Herrn Roth Ende September 2026 am XIII. Belgrader Gymnasium vorgestellt, ermöglicht durch das Erasmus Plus Programm. Dazu arbeiteten sich die Schüler intensiv in die lateinischen Beschriftungstexte ein und fanden schnell heraus, dass viele der Aussagen auf die Geschichte Belgrads und Serbiens bezogen nicht wirklich stimmten. „Fake News“ gab es also auch schon im 17. Jahrhundert! Denn, wie die EF Gruppe durch Interviews mit zwei Experten zu historischen Karten herausfand, dienten solche Karten nicht als Vorläufer von „Google Maps“, sondern der Verbreitung von Propaganda. Der eine Experte ist der für die Karte zuständige Kurator der Staatsbibliothek, Dr. Thomas Horst, der andere der Kunsthistoriker Wolfgang Sarges, der in Hamburg mit alten Karten handelt – und 1986 am Löhrtor sein Abi absolvierte! Beide ließen die Schüler bereitwillig an ihrem jeweiligen Fachwissen teilhaben.
Das Schülerreferat über die Karte und ihre Entstehungszeit, während der sich Europa in den Wirren der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges befand, wurde in der Schulbibliothek vorgestellt. Doch das war nur ein Bruchteil der Aktivitäten der neun Löhrtorianer. Es wurde an Unterricht teilgenommen, an einem Vormittag empfing uns die deutsche Botschaft zu einem Gespräch über die politische Situation in Serbien heute, wir besuchten die orthodoxe Hauptkirche des Heiligen Sava, wo uns die Führerin Ivana Jelic sogar die Empore zeigte, die normalerweise für Besucher gesperrt ist und wir staunten im Tesla Museum über die elektrischen Experimente des serbischen Physikers, nach dem heute eine amerikanische E-Auto-Marke benannt ist. Ein besonderer Höhepunkt war der Rundgang durch das Museum der Bücher und Reisen, wo wir vom Eigentümer des Museums höchstpersönlich durch die verwinkelten Räume inklusive mehrerer Geheimgänge begleitet wurden. Am letzten Abend des insgesamt fünftägigen Aufenthaltes speisten wir fürstlich in einem typischen serbischen Lokal. Gewohnt hat die Gruppe in den Familien der gastgebenden Schüler, die wir im April 2027 zum Gegenbesuch in Siegen begrüßen – nach „Singidunum Capitur“ wird es kann heißen „Sigenia Visitatur“.



