Siegen. An der Fassade des Gymnasiums Am Löhrtor soll ein Wandgemälde entstehen

Die „Weltbaustelle Siegen” steht zeichenhaft für eine globale Herausforderung.

ciu - Die „Weltbaustelle Siegen" ist eingerichtet. Das Gerüst steht, das Konzept im Grunde auch, das Team ist bereit und hochmotiviert. Wenn dann am Dienstagmittag mit der Vorstellung des Unterfangens eine Art symbolischer Spatenstich erfolgt ist, kann es losgehen. Das Ziel: binnen zwei Wochen ein Wandbild an der Außenwand der einstigen „Bühne", der Aula des Gymnasiums Am Löhrtor in Siegen, zu gestalten.

Bis gestern hat eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit den beiden Künstlern Charles Bhebe (Simbabwe; aktuell Teilnehmer der Biennale in Venedig) und Jan Bresinski (Eitorf; u. a. Dozent in der Bundeskunsthalle in Bonn) hoch unterm Dach der Schule Ideen ausgebrütet, hat diskutiert, projiziert, skizziert. Der Entwurf: Auf der riesigen, beige-grauen Wandfläche zur Spandauer Straße hin und auch auf jener, die zum kleinen Schulparkplatz weist, wird ein Welten-Bild entstehen, das einen sehr unmittelbaren Bezug zu der Stadt hat, in der es künftig so plakativ und auch provokativ zu sehen ist. Die Welt, die Bhebe, Bresinski und die Neunt- bis Zwölftklässler symbolhaft darstellen wollen, teilt sich in Unten und Oben. Und obwohl Wege von hier nach dort zu führen scheinen, ist die vertikale Verbindung verbaut. Mit Beton. Typisch Siegen? Vielleicht. Jedenfalls fielen den beiden Künstlern die vielen Straßen und Brücken im Stadtgebiet auf. Grün sei Siegen vor allem drumherum, das unterstrichen im Gespräch auch die Jugendlichen. Ähnlich beherrschend wie der Baustoff aus Zement empfinden sie in Siegen das Element Wasser - im Fluss, aber auch in Strömen (vom Himmel). Und so spielt im Wandbild das Nasse, ebenso lebensspendend wie lebenshemmend, durchaus eine tragende Rolle. Dazu wird das Gemälde sehr konkrete lokale Bezüge haben: Das Krönchen darf nicht fehlen …

Dass die „Weltbaustelle Siegen" eröffnet werden kann, ist dem Engagement von Elisa Heinrich vom Verein für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen zu verdanken. Sie arbeitet als Promotorin entwicklungspolitischer Bildungsarbeit und ließ sich vom Eine-Welt-Netz, das dieses Projekt schon in etlichen anderen Städten angestoßen hat, begeistern. Die Siegener „Weltbaustelle" steht zeichenhaft für die globale Herausforderung, auf der Grundlage der „Agenda 2030" (und ihren 17 Zielen für eine weltweit nachhaltige Entwicklung) an einer fairen, friedlichen, sicheren Welt zu bauen, in der alle (über)leben können (mehr: www.eine-welt-netz-nrw.de). In Siegen kooperieren in dieser Angelegenheit eine ganze Reibe an Initiativen und Institutionen, überregional ist die „Weltbaustelle” u. a. beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit angedockt.

Elisa Heinrich fand bei ihrer Suche nach einer entsprechend großen und gut sichtbaren Wandfläche - auch unterstützt von der Stadt Siegen - die Fassade des Löhrtor-Gymnasiums. Schulleiter Dr. Reiner Berg ließ sich für die „Weltbaustelle" gewinnen, gerade weil hier Schülerinnen und Schüler derart unmittelbar an der Gestaltung beteiligt sind. Die Schule ist elektrisiert", sagt er. Als Religionslehrer fände er selbst das Thema Gerechtigkeit („das ist ja ein ethischer Grundgedanke”) sehr spannend. Kunstlehrerin Monika Liesegang ist glücklich darüber, wie die etablierten Künstler die Jugendlichen in den schöpferischen Prozess einbinden. Überhaupt nicht von einer „eingebildeten” Warte herab, sondern auf Augenhöhe. Was den Schülerinnen und Schülern besonders

Begleitprogramm zur „Weltbaustelle Siegen”
Rund um die „Weltbaustelle Siegen” gibt es ein Begleitprogramm, geboten wird u. a. das:
▸ Präsentation der „Weltbaustelle Siegen" - Dienstag, 26. September, 12.30 Uhr, Löhrtor-Gymnasium
▸ Ausstellung „Schwarz ist der Ozean” - ab Montag, 25. September, 18.30 Uhr (Vortrag zur Eröffnung), Krönchen-Center Siegen (VHS); ab 4. Oktober in der Mediatbek gegen Rassismus und Diskriminierung (Tiergartenstr. 9)
▸ Infopoint des Weltladens Siegen am entstehenden Wandbild - 29. September bis 5. Oktober, jeweils ab 14 Uhr
▸ Vorstellung des fertigen Gemäldes - Mittwoch, 11. Oktober, 12.30 Uhr Löhrtor-Gymnasium (mit „Markt der Möglichkeiten”).

gefallen hat, wie deren Sprecher Kevin Dinay beim SZ-„Baustellen”-Besuch betonte. Dr. Reiner Berg hat den Jugendlichen einen Vertrauens­vorschuss gegeben: Sie konnten in der vergangenen Woche selbst entscheiden, wie viel Zeit sie im „Atelier" verbringen und wie sie sich den im Unterricht versäumten Stoff aneignen. Fürs Leben gelernt haben sie allemal. Und: Sie haben zumindest eine Idee davon bekommen, was die Arbeit eines Künstlers ausmacht. Vielleicht, so Jan Bresinskl, werde ja eine oder einer von ihnen selbst einmal Künstler - oder Künstlerin.

Toiletten am Löhrtor-Gymnasium saniert - 24 Einzelmaßnahmen abgearbeitet

Von Anke Bruch
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Siegen.
Direkt gefragt: Was hat Sie damals an Ihrer Schule besonders genervt und was nervt sie heute noch an der Schule Ihrer Kinder? Wenn Ihre Antwort lautet: „die Schultoiletten“ dann dürfen Sie aufatmen. Denn die Stadt hat die Sanierung der stillen Örtchen an die oberste Stelle der „To-Do-Liste" gesetzt.

Das „Toilettensanierungsprogramm" besagt, dass im Laufe der nächsten vier Jahre alle Schultoiletten auf Vordermann gebracht werden. In den Sommerferien wurden bereits einige Projekte „abgearbeitet". Dazu zählt die Modernisierung der WCs im Gymnasium Am Löhrtor. Bürgermeister Steffen Mues präsentierte in der vergangenen Woche - kurz vor dem Schulstart - gemeinsam mit dem Schulleiter Dr. Reiner Berg die frisch aufgepäppelten Schultoiletten vor. Sie stehen beispielhaft für die insgesamt 24 Einzelmaßnahmen, die in den Sommerferien an und in den Siegener Schulen abgearbeitet wurden. Die Verwaltung hat dafür rund 1,9 Millionen Euro eingesetzt (davon 170.000 Euro aus dem Programm „Gute Schule). Natürlich ist das Geld nicht nur in die Instandsetzung der Toilettenanlagen geflossen; auch weitere Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen wurden umgesetzt. „Vieles davon sieht man gar nicht; da beispielsweise einiges in die Sicherung des Brandschutzes investiert werden musste", so Bürgermeister Steffen Mues.

Insgesamt investiert die Stadt Siegen in diesem Jahr 5,5 Millionen Euro in die Siegener Schulen; mehr als doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren.

So Modern und „cool“: Die neuen WC-Anlagen.wie die Toiletten jetzt am Löhrtor-Gymnasium aussehen, sollen sie bald überall aussehen: Weder altbacken, noch kindlich oder klinisch kalt, sondern modern, hell und cool mit großen Spiegeln und farblichen Akzenten. Die Anlagen wurden bewusst auf die Zielgruppe abgestimmt. „Die Atmosphäre in der Schule ist besonders wichtig - auch für den Lernerfolg. Schule ist aber nicht nur ein Lernort, sondern soll Orientierung und Strukturbieten",so Dr. Reiner Berg, der die 'modernen Toiletten als Wertschätzung für die Schüler, Lehrer und Eltern versteht.

Auch an der Obenstruthschule am Wellersberg wurde in den Sommerferien einiges geschafft. So wurden auch hier die WC-Anlagen für Schüler und Lehrer saniert. Außerdem wurde zusätzlich ein Sanitätsraum geschaffen. Ein weiterer „dicker Brocken" wurde in den Sommerferien an der Gesamtschule Eiserfeld fertiggestellt. Durch Zusammenlegung der beiden Schulstandorte mussten einige bauliche Maßnahmen aufgrund von Raumnutzungsänderungen vorgenommen werden. An der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule am Siegener Giersberg wurden während der Sommerferien neue Rauchschutztüren in den Fluren und Treppenhäusern eingebaut sowie ein zusätzlicher zweiter Rettungsweg hergestellt.

„Mir ist durchaus bewusst, dass es noch eine lange Warteliste mit Wünschen der Schulen gibt und wir sind wirklich bemüht, diese mit den vorhandenen Mitteln abzuarbeiten”, machte Mues deutlich. Dennoch sei es ihm auch wichtig zu verdeutlichen, dass man schon viel geschafft habe und dass es keine Schule im Stadtgebiet gebe, an der man einen Investitionsstau beklagen könne.

Was in den nächsten Jahren an vielen, vor allem weiterführenden Schulen anstehe, sei die Modernisierung der naturwissenschaftlichen Trakte und Räume. „Auch das werden wir angehen, aber das geht dann richtig ins Geld", so Schuldezernent André Schmidt.

„A Night At The Movies“ am Löhrtor

sim Siegen. Musikbegeisterte Kurse und AGs des Gymnasiums am Löhrtor lieferten am Freitagabend ein filmreifes Konzert ab: Unter der musikalischen Leitung von Valeria Solbach präsentierte das Siegener Gymnasium bei seinem jährlichen Sommerkonzert in der Aula der Schule ein abwechslungsreiches Repertoire für Filmkenner: Von Abbas „Mamma Mia“, das 2008 verfilmt wurde, über „You'll Be In My Heart“ von Phil Collins bis hin zu den „König-der-Löwen“-Klassikern wurden ausschließlich Titel verwen­det, die Teil großer Hollywoodproduk­tionen sind.

Eingeleitet und auch abgeschlossen wurde das Konzert mit „Another Day Of Sun“, das das 2016 erschienene Musical „La La Land“ einleitet. Hier präsentierte sich die „Vollversammlung“ aller kleinen und großen Sternchen des Gymnasiums, der Vokalpraktische Kurs, der Chor, die Band und Solisten. Mit „City Of Stars“ folgte der zweite Titel aus „La La Land“, den die Musiker adaptierten, diesmal in deutlich kleinerer Besetzung, still, grazil.

Einen besonderen Höhepunkt stellte die Coverversion von „A Thousand Years“ (David Hodges und Christina Perri) dar: Charmant von Hannah Guntermann (Q2) an der Geige, Marie Heupel am Cello (Q1) und Dominik Stangier am Piano begleitet, boten die Solistinnen Hanna Kross und Ronja Müller-Späth (Q1) eine Interpretation, die stark mit dem Original konkurrierte. Während Kross mit Tonsicherheit und großem Gefühl in den tiefen Tönen überzeugte, ließ Müller-Späth die Nuancen des Songs unter die Haut gehen und stahl einem mit jeder gesungenen Silbe den Atem. Engelsgleich ging es mit „Just The Way You Are“ von Bruno Mars weiter, das vom fulminanten Chor des Gymnasiums am Löhrtor mit Unterstützung der Solisten Heiner Lingemann, Lennart Kraft und Eduard Heidt (Q1) gemeistert wurde.

Zwischen den musikalischen Darbietungen wurden die Zuschauer immer wieder von der mitreißenden Moderationen durch Henri Schlund und Tristan Vitt (Q1) unterhalten. Diese teilten den Abend, um beim Gala-Motto zu bleiben, in verschiedene Preiskategorien, darunter „Miese Frise“, „Extreme Temperaturen“ und „Bester Löwenmoment“. Selbstverständlich gab sich deswegen auch Tarzan die Ehre, um die Nominierten der zweiten Kategorie anzukündigen. Er beschenkte das Publikum mit einem aus dem Dschungel mitgebrachten Bananenbüschel.

Ed Sheerans „I See Fire“ sorgte für allgemeine Überraschung; Durch die talentierte Hanna Kross unterstützt verblüffte Ben Kross (6b) mit einer beachtlichen Gesangsleistung, die wohl kaum jemand von einem so jungen Sänger erwartet hätte. Auch Solistin Zehra Acikel stellte ihr Können in „Colours Of The Wind“ und „Flashlight“ mit samtigem und ergreifendem Gesang unter Beweis.

Insgesamt lässt sich von einer wohl dosierten Mischung aus gut arrangierten Chören, anspruchsvollen Vokalgruppen, starker Bandbegleitung und mitreißenden Solisten sprechen. Entfacht wurde an diesem Abend eine Explosion der Klangfarben, die durch das Bühnenbild - bunte Feuer, Wasser und Galaxien abbildend, vom Grundkurs Kunst der Q1 entworfen - gelungen porträtiert wurde.

SIEGEN Landtagswahl: SZ und das Löhrtor-Gymnasium hatten zur Podiumsdiskussion geladen / Die Direktkandidaten des Wahlkreis 126 stellten sich den Fragen der Zuhörer

Noch müssen die Bewerber Überzeugungsarbeit leisten, um die Wähler auf ihre Seite zu holen.

sos ◼ In der Theorie gibt es einige Möglichkeiten, wie die Landesregierung ab Mai aussehen könnte. Entscheiden werden darüber am 14. Mai die Wähler. Die Direktkandidaten des Wahlkreises 126 (Burbach, Freudenberg, Neunkirchen, Siegen) stellten sich jetzt bei einer Podiumsdiskussion den Fragen des Lokalchefs der Siegener Zeitung, Christian Hoffmann, und denen der Zuhörer. Gemeinsam mit dem Gymnasium am Löhrtor (GAL) hatte die SZ dazu eingeladen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Und wie die anfänglichen Meldungen der Zuhörer anzeigten, waren bzw. sind etliche noch unentschlossen, wen sie in knapp zwei Wochen wählen sollen. Die acht Kandidaten hatten also noch Überzeugungsarbeit zu leisten.

G 8 oder G 9: Gleich zu Beginn warf ein Schüler ein immer wieder kontrovers diskutiertes Thema in die Runde: Sollte man das Abitur nach acht oder neun Jahren weiterführende Schule ablegen? Die AfD und die Linke standen sich hier ausnahmsweise sehr nah: Eger-Kahleis und Becker sprachen sich beide für G 9 aus. Becker betonte außerdem, dass die Schüler nach dem Unterricht Feierabend haben sollten: „Die Bücher bleiben in der Schule.“

Die Schulkonferenzen sollten darüber eigenmächtig entscheiden, sich dann aber auch daran halten, antwortete Kamieth. „Die Entscheidung darf einmal fallen, ist dann aber verbindlich.“ Guido Müller plädierte ebenfalls für die Wahlmöglichkeit der Schulen; er persönlich setze sich als Sportvereinsvorsitzender aber auch dafür ein, dass Schüler mehr Freizeit bekommen. Die Flexibilität war auch Johannes Remmel wichtig. Er stellte sich jedoch vor, dass nicht die Schule die Vorgabe macht, sondern dass jeder Schüler individuell entscheiden kann. Mit kleinen Unterschieden in der Durchführung sprach sich Tanja Wagener ebenfalls für diese Möglichkeit aus. Am Ende der 9. Klasse solle der Schüler sich für G 8 oder G 9 entscheiden. Hier schaltete sich Marcus Hohenstein ein, Sprecher der Bürgerinitiative „G9 jetzt NRW“ und Lehrer am GAL. Dass schlechte Schüler die Mittelstufe ein Jahr länger besuchen, sei doch nichts Neues. „Sie verkaufen das als G 9, ist es aber nicht“, so Hohenstein. Es gehe hier nicht um gute und schlechte Schüler, erklärte Remmel. Jedes Kind sei anders, deswegen wolle man die Wahlmöglichkeit geben.

Eine Lehrerin des GAL appellierte, man solle Neuerungen zunächst fünf Jahre lang ausprobieren, um dann festzustellen: „Bringt's das oder bringt's das nicht?" Sie habe ein schlechtes Gefühl, wenn jeder individuell entscheiden könne. „Es wird nicht verantwortungsvoll ins Schulleben integriert“, sagte sie. Zu wenige Fehler würden eingesehen und Ressourcen verschwendet. Dadurch sinke das Bildungsniveau kontinuierlich.

Schulausstattung: Mit dem Programm „Gute Schule 2020“ habe die rot-grüne Landesregierung bereits eine Unterstützung für die Kommunen auf den Weg gebracht, im Rahmen derer allein 8,8 Mill. Euro nach Siegen gehen, so Wagener. „Wir haben viel investiert und werden das auch weiterhin tun.“ Das sei nichts als ein „Taschenspielertrick“ von Rot-Grün, widersprach Jens Kamieth. Die NRW-Bank stelle das Geld zur Verfügung, nicht das Land. Wagener betonte aber: „Das Geld kommt doch vom Land, weil es die Tilgung vornimmt.“ „Hätte man sich dieses Programm nicht schon früher auf die Agenda setzen können?", hakte Moderator Christian Hoffmann nach. Man habe zunächst für einen ausgeglichenen Haushalt in den Kommunen sorgen müssen, erklärte Remmel. Erst dann könne investiert werden. Dass sich weniger Kommunen im Nothaushalt befänden, sei jedoch keine Glanzleistung der Landesregierung, erwiderte Kamieth. „Man hat einfach den Zeitpunkt, an dem eine Kommune in den Nothausbalt rutscht, nach hinten verschoben.“

Auch Markus Sonneborn meldete sich jetzt zu Wort und stellte fest: „Es muss mehr Geld kommen, egal ob von Land oder Bund." Eine Lösung hatte er zwar nicht parat, doch wenn es nach Guido Müller geht, dann muss sowieso an einer ganz anderen Schraube gedreht werden: Die Anspruchshaltung der Schulen müsse sich ändern, so der FDP-Mann. Es sei nicht überall möglich, Inklusion anzubieten, die samtären Anlagen auf den neuesten Stand zu bringen und neue Fenster einzubauen. „Die Schulen müssen Prioritäten setzen.“

Die Kandidaten
Tanja Wagener (SPD), Johannes Remmel (Grüne), Jens Kamieth (CDU), Guido Müller (FDP), Melanie Becker (Linke), Brigitte Kahleis (AfD), Markus Sonneborn (ÖDP) und Dominik Eichbaum (Einzelbewerber) diskutierten rund zwei Stunden lang über politische Fragen.

E-Mobilität: „Wir müssen generell runter“, betonte Remmel in Bezug auf die hoben Stickoxidwerte in der Luft. Die Nachrüstung von mani­pulierten Dieselfahrzeugen sei da ein erster Schritt, Elektromobilität der nächste. Aber schon jetzt könne es sich lohnen, auf E-Mobilität umzusteigen, so Remmel. In Sachen ÖPNV gebe es definitiv Nachholbedarf, aber „der Sprung zum E-Bus ist schwierig“. Darin stimmte ihm Dominik Eichbaum zu. „Ein Bus ist 20-mal effektiver in der Schadstoffverminderung als ein Pkw. Die Förderung ist aber nicht 20-mal so hoch“, kritisierte er. Grundsätzlich habe die Technologie aber Potenzial in der Region. Remmel freute sich: Mit dieser Einstellung könne Eichbaum doch bei den Grünen anfangen.

Brigitte Eger-Kahleis forderte den Blick auf die Realität: „Wo soll der ganze Strom herkommen, wenn die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden?“ Sie verstehe die Zurückhaltung der Automobilindustrie. Und Guido Müller brachte noch eine andere Alternative zum Verbrennungsmotor ins Spiel: Wenn alle mehr Rad führen, bliebe die Stadt auch sauber.

ÖPNV: Um von Betzdorf zur Schule in Siegen zu kommen, müsse sie 90 Euro im Monat für die Fahrkarte zahlen, berichtete eine Schülerin. Mit dem Auto sei es wesentlich günstiger. Dieses Problem sei auf Kreisebene zu regeln, erklärte Tanja Wagener, und somit hier nicht zu lösen. Dominik Eichbaum wies jedoch auf eine Unstimmigkeit hin: Die junge Frau bekäme die Fahrt bezahlt, wenn sie in Siegen studieren würde. „Die Politik versteht es nicht“, resümierte er.

Eine andere Schülerin machte darauf aufmerksam, dass die Anbindung in außerhalb liegende Ortschaften sehr schlecht sei. „Es ist eine politische Entscheidung, ob man Verkehre zur Verfügung stellt, die nicht wirtschaftlich sind“, sagte Remmel. „Ich wäre dafür, es zu tun.“ Sonneborn hingegen warf den Ausbau des Radwegenetzes in den Raum; mit einem E-Bike seien auch weite bzw. bergige Strecken zu meistern. Und Müller mahnte lediglich: „Wir versprechen hier immer etwas, aber woher kommt das Geld?“

Innere Sicherheit: Laut Kamieth können sich die Bürger in Siegen-Wittgenstein sicher fühlen. Damit das so bleibt, fordere er Strafmaßanhebungen vor allem bei Wohnungseinbrüchen. Zur Unterstützung der Polizisten auf der Straße sollten Verwaltungsassistenten für die Schreibarbeit eingestellt werden. Wagener setzt sich für mehr Polizisten auf der Straße ein: „Wir haben da schon nachgelegt, weil wir wissen, dass das erforderlich ist.“ Die Einführung der Bodycams sei ein weiterer Schritt zur inneren Sicherheit. Hinzu komme das Programm „Helle Plätze“, bei dem dunkle Bereiche in der Stadt beleuchtet werden sollen. Die Videoüberwachung an öffentlichen Orten sehe sie kritisch. Eichbaum stimmte den Vorrednern darin zu, dass die Präsenz der Polizei verstärkt werden müsse. Zwei Schüler erklärten jedoch, dass sie sich nicht sicherer fühlten, wenn mehr Polizisten auf den Straßen patrouillierten. Im Gegenteil: Sie zweifelten dadurch an der Sicherheit, die sie vorher als selbstverständlich gesehen hätten.

Seit 2015 habe Deutschland sich unwiderrufbar verändert, sagte Eger-Kahleis. Über eine Million Menschen sei unkontrolliert ins Land gekommen; jetzt müsse alles bewacht werden. Das habe nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern mit dem Schutz der eigenen Bürger. Zu viele Straftäter würden freigelassen, daran müsse sich etwas ändern. An dieser Stelle brachte sich auch Melanie Becker noch einmal ein. Die Diskussion um Gefährder werde sehr nationalistisch geführt. Es könne doch nicht für in Ordnung befunden werden, „wenn die Gefährder woanders gefährden“, so Becker. Kamieth und Wagener positionierten sich ebenfalls gegen die Haltung der AfD. Es hapere an der Abstimmung zwischen der Polizei und der Staatsanwaltschaft bzw. zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Gericht, so Kamieth. „Die Politik kann da nichts machen. Unsere Gerichte sind unabhängig.“ Wagener in Richtung Eger-Kahleis: „Wer die Gewaltenteilung nicht versteht, der gehört nicht ins Parlament. Was Sie hier bringen, ist Populismus hoch drei.“

Wer mit wem? Zu guter Letzt die Frage nach der Zusammenarbeit: Wer würde mit wem koalieren - und mit wem nicht? Remmel und Wagener blicken auf gemeinsame fünf Jahre in der Landesregierung zurück und stellten fest, sie hätten sich gut ergänzt. So könne es weitergehen. Remmel habe an diesem Abend aber auch eine neue Entdeckung gemacht, sagte er, und meinte wohl Eichbaum als Gleichgesinnten in Sachen E-Mobilität. Eichbaum wolle all jene unterstützen, die zukunftsorientiert seien. „Ich würde mit allen Gespräche führen, bis auf eine“, sagte er und schaute dabei in Richtung Eger-Kahleis.

Nicht zusammenarbeiten würde Kamieth mit der AfD und der Linken, einen Koalitionspartner nannte er nicht. Müller würde es mit der SPD wagen, während er die Grünen als Partner ausschloss. Wenig überraschend: Becker würde nicht mit der AfD zusammenarbeiten. Auch mit der CDU gestalte sich das schwierig. Der Koalition Rot-Rot-Grün stehe sie nicht abgeneigt gegenüber, aber von bestimmten Positionen werde sie nicht abrücken. Sonneborn könnte sich eine Koalition mit der CDU vorstellen, vielleicht auch mit der SPD. Der Unterschied der beiden großen Parteien sei ja nicht so groß. Eger-Kahleis machte sich lediglich für die Opposition im Landtag stark; die etablierten Parteien gingen oft zu sehr in eine Richtung.

sz Siegen/Hamburg. Die Absolventen des ehemaligen Städtischen Gymnasiums für Jungen (heute: Gymnasium Am Löhrtor) reisten zur 55. Wiederkehr des Abiturs nach Hamburg. Eine Fülle von Eindrücken aus der alten und jungen Stadt an der Elbe konnten mitgenommen werden. Höhepunkte der Reise bildeten der Alstersee, das Chile-Haus, die Speicherstadt und die Elbphilharmonie, neben dem „Michel” ein weiteres Wahrzeichen Hamburgs.

Natürlich durfte eine Fahrt durch den Containerhafen nicht fehlen. Bei dem Abituriententreffen gedachte man der Verstorbenen und der Erkrankten und sprach viel von der Schulzeit, jedoch noch mehr von der Gegenwart und von den Kindern und Enkeln. Es sei ein Fest der Freundschaft gewesen, berichteten die Teilnehmer.