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Freuen sich über ihren dritten Platz: Die Schulsanitäter des Löhrtor-Gymnasiums beim Wettbewerb des Jugendrotkreuzes Westfalen-Lippe.
Foto: Ben Hansen / DRK Westfalen-Lippe

Pflaster, Puls und Teamgeist: Schulsanis am Löhrtor-Gymnasium ausgezeichnet (Siegener Zeitung)

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Erstellt: 16. März 2026

Sechs Schulsanitäter des Löhrtor-Gymnasiums glänzen mit Teamgeist und sichern sich den dritten Platz beim Wettbewerb des Jugendrotkreuzes. Doch welche Herausforderungen haben die jungen Helfer in ihrem Alltag zu bewältigen?

Von Katja Wehmeyer

SIEGEN. Wenn es auf dem Schulhof kracht, im Sportunterricht jemand umknickt oder plötzlich Kreislaufprobleme auftreten, sind sie oft als Erste zur Stelle: die Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter.

Ausgebildet in Erster Hilfe und organisiert wie ein kleines Rettungsteam, übernehmen die Schüler Verantwortung – für ihre Mitschüler, für den Alltag in ihrer Einrichtung und nicht zuletzt für sich selbst.

Für Maja Jakovljevic-Saal stand heute Morgen kurz vor Schulbeginn schon der erste Einsatz an. Ein Mitschüler hatte sich verletzt, die Wunde blutete. „Das war aber schnell gemacht“, sagt die Elftklässlerin routiniert.

Gemeinsam mit Marie Helmerking (12. Klasse) und ihrem Bruder Julius (10. Klasse), Noah-David Müller (11. Klasse), Robin Geisler (10. Klasse) und Celina Zorko (12. Klasse) gehört sie zu den insgesamt 40 Schulsanitätern des Siegener Löhrtor-Gymnasiums (GAL).

Zu den Aufgaben der Schüler zählen die Versorgung von Wunden, das Messen der Vitalparameter, das Legen von Verbänden oder beispielsweise die Ausgabe kühlender Kompressen. Geschult werden sie hier
von ihren beiden Lehrerinnen Michaela Stötzel und Maren Weber.

Manchmal reicht es aber auch einfach aus, da zu sein. Etwa wenn einen Mitschüler die Angst vor der nächsten Prüfung packt.

Ihr Engagement ist weit mehr als ein „Pflasterdienst“: Die Jugendlichen müssen genau einschätzen, wann sie einen Einsatz alleine bewältigen können und wann sie Rettungsdienst und Lehrer einschalten müssen.

Wenn die Durchsage in der Schule ertönt, erhalten sie meist schon einen kleinen Anhaltspunkt, wie schlimm die Lage ist. „Das hören wir an der Tonlage der Sekretärin“, scherzen die sechs Gymnasiasten im Gespräch.

Dass sie ihre Aufgabe bestens im Griff haben, zeigt das Abschneiden der Gruppe beim Wettbewerb des Jugendrotkreuzes in Nottuln, bei dem die besten „Schulsanis“ in Westfalen-Lippe geehrt wurden.

Hier sicherte sie sich den dritten Platz. Die Freie Christliche Sekundarschule aus Siegen landete ebenfalls unter den Top 10.

Insgesamt zwölf Gruppen stellten sich im Wettbewerbsparcours den Aufgaben und bewiesen, dass viel Erste-Hilfe-Know-how, Teamgeist und Rotkreuzwissen in ihnen steckt.

Der DRK-Kreisverband Siegen-Wittgenstein unterstützt aktuell 16 Schulen im Kreisgebiet bei ihrem Schulsanitätsdienst. „Für das Rote Kreuz sind Schulsanitäter ganz wichtig und das gleich auf mehreren Ebenen“, heißt es auf Nachfrage.

„Zunächst ist da natürlich die wertvolle Erstversorgung vor Ort, die von den ausgebildeten Lehrern und den Schulsanitätern geleistet werden kann. Die ausgebildeten Personen können zudem eine gute
erste Einschätzung treffen.

So muss vielleicht nicht jedes Mal ein Rettungswagen gerufen werden. Wenn die Erstversorgung vor Ort von den Schulsanitätern und den betreuenden Lehrern vorgenommen wird, ist das sehr wertvoll und überbrückt die Zeit, bis der Rettungsdienst eintrifft.“

Ein zweiter wichtiger Aspekt sei, dass Schüler von Personen aus ihrer Peer-Group etwas über Erste Hilfe lernten. Schulsanitäter hätten auch eine wichtige Vorbildfunktion.

Ihr Engagement fördere grundsätzlich Empathie und die Hilfsbereitschaft, auch bei den Mitschülern. DRK: „So steigt auch der Respekt vor der Leistung von Rettungskräften – was für uns sehr hilfreich ist, denn leider schwindet dieser immer mehr.

Zugleich kann jungen Menschen die Angst genommen werden, wenn sie später selbst einmal notfallmedizinisch versorgt werden müssen.“

Und die Erfahrung zeige: Je früher Jugendliche mit dem Thema Erste Hilfe in Berührung kämen, desto leichter falle es ihnen, später selbst zu helfen.

Das empfindet auch Marie Helmerking so: „Es ist besser, irgendetwas zu machen, als gar nichts.“

Foto: Rolf Henrichs

„Attraktivster Job des 21. Jahrhunderts“: Mathe-Olympiade mit klarer Botschaft (Siegener Zeitung)

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Erstellt: 07. Februar 2026

75 Schülerinnen und Schüler werden bei der Mathematik-Olympiade in Bad Laasphe ausgezeichnet. Bei der Siegerehrung geht es nicht nur um Zahlen, sondern um KI, neue Berufe - und große Umbrüche. Wer sind die besten Nachwuchs-Mathematiker im Kreis?

Von Rolf Henrichs

BAD LAASPHE. 75 ausgezeichnete Schülerinnen und Schüler und ein Ausblick - auf eine Arbeitswelt im Umbruch: Bei der Siegerehrung der 31. Kreisrunde der Mathematik-Olympiade im Städtischen Gymnasium Bad Laasphe ging es nicht nur um Zahlen, sondern um die Rolle von Mathematik und Künstlicher Intelligenz in der Zukunft.

„Die Ohren fliegen doch bald ab!“, kommentierte ein kleiner Junge die Rockmusik von Chor und Band: Andere fanden die musikalische Begleitung fetzig - der Rhythmus lud zum Mitwippen ein und sorgte für eine lockere Atmosphäre bei der Ehrung der Preisträgerinnen und Preisträger.

KI und Mathematik verändern das Berufsleben

Inhaltlich wurde es ernster, als Festredner Dr. Alexander Hoffmann, Geschäftsführer: der Siegener ifm statmath GmbH, über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz und Mathematik auf die Arbeitswelt sprach. Die kommenden Jahre würden massive Transformationsprozesse bringen, sagte Hoffmann. Viele Berufsbilder würden sich verändern, einige verschwinden, neue entstehen. Sicher sei nur: Das Berufsleben werde neu durchgemischt.

Der stellvertretende Schulleiter Steffen Roth ermutigte die 75 Geehrten, ihren mathematischen Weg weiterzugehen. Mathematik trainiere das Denken und belohne den Lösungsprozess, so Roth. Mit Blick auf frühere Mathematik-Olympioniken - darunter auch Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel - stellte er den Schülerinnen und Schülern erfolgreiche Karrieren in Wirtschaft und Politik in Aussicht. Hoffmann pflichtete ihm bei. Unter dem Titel „Mathematiker - der attraktivste Job des 21. Jahrhunderts“ warb er für ein Fach, das in Kombination mit KI an Bedeutung gewinne.

Dass nicht jeder den gleichen Zugang zur Mathematik finde, machte Bürgermeister Dirk Terlinden deutlich: „Meine Liebe zur Mathematik in der Schule war im Fächerkanon nicht weit vorn. Am meisten Spaß machte mir noch Stochastik mit seinen pragmatischen Auswirkungen.“ Hoffmann widersprach der häufig gehörten Aussage, man habe es „mit Zahlen nicht so“. Er selbst habe Mathematik schon früh geliebt. Entscheidend sei, mathematisches Denken als Werkzeug zu verstehen. Auch Dipl.-Ing. Marc Decker, stellvertretender Vorsitzender des Siegener VDI-Bezirksvereins, hob die gesellschaftliche Bedeutung mathematischer Kompetenzen hervor. Ziel sei es, das Leben einfacher und besser zu machen. Dafür brauche es gut ausgebildete Fachkräfte - und eine angemessene Ausstattung der Schulen. Mathematik in Verbindung mit KI werde vor allem dort gebraucht, wo repetitive Prozesse dominieren, erklärte Hoffmann. Dazu zählten unter anderem Marketing, Softwareentwicklung, Anwaltskanzleien, Produktionsplanung und die sensorische Überwachung von Maschinen.

Zwischen Alltag und Wahrheitsfrage

Wie selbstverständlich KI inzwischen im Alltag angekommen ist, zeigte Hoffmann mit einem privaten Beispiel: Selbst bei Kindergeburtstagen würden neben Sackhüpfen inzwischen KI-Bilder generiert.

Gleichzeitig warnte Marcus Plümer-Hohenstein, Vorsitzender des Vereins Mathematik-Olympiade Siegerland, vor einem unkritischen Umgang mit Daten. In der Mathematik gebe es keine Wahrheit nach Zeitgeschmack, zitierte er den polnischen Mathematiker Kazimierz Urbanik - nur den Beweis. Wer KI und Mathematik auf falsche Datengrundlagen anwende, erhalte zwangsläufig falsche Ergebnisse. Der gesunde Menschenverstand bleibe deshalb unverzichtbar.

Für die Landesrunde der Mathematik-Olympiade qualifizierten sich:
▶ Klasse 5: Theo Funken. (Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium, Weidenau), Freyja Schneider (Gymnasium Am Löhrtor, Siegen)
▶ Klasse 6: Hannah Weiel (Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, Neunkirchen), Colin Baerwolf (Ev. Gymnasium, Weidenau)
▶ Klasse 7: Leonardo Shih (Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium, Weidenau)
▶ Klasse 10: Julius Schleifenbaum (Gymnasium Wilnsdorf)
▶ Klasse 12: Kilian Lenz (Gymnasium Am Löhrtor, Siegen)

Auf der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach wurde nicht nur der vielen Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Es wurde gemahnt: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.	Fotos: Rene Traut

Siegener Schülerinnen: „Ursprung war immer Hass“ (Siegener Zeitung)

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Erstellt: 17. November 2025

Der Volkstrauertag mahnt zur Verantwortung, während Putins Krieg in der Ukraine den Frieden in Deutschland bedroht.
Schülerinnen und Redner fordern mehr gesellschaftliches Engagement. Warum ist der Zusammenhalt heute wichtiger denn je?

Von Anja Bieler-Barth

GOSENBACH. Es ist einer jener Novembertage, an denen das Licht, wenn überhaupt, nur zögerlich durch die Wolkendecke dringt. Auf der Gosenbacher Ehrengedenkstätte des Kreises Siegen-Wittgenstein sammelt sich eine überschaubare Menschenmenge. Wie immer am Volkstrauertag. Hier, wo 167 Kriegstote ihre letzte Ruhe fanden, darunter 24 unbekannte deutsche Soldaten und ein unbekannter Ostarbeiter.

Ein Hochkreuz und 81 Grabkreuze erinnern an sie. Und sind Mahnung zugleich. Das gilt auch für das Kriegerehrenmal mit den Namen von 52 Gefallenen des 1. Weltkriegs sowie jenen Sarkophag mit den Namen von 78 gefallenen Gosenbachern aus dem 2. Weltkrieg.

Es wird still, bis der Bläserkreis Niederschelden die zentrale Feierstunde angemessen-getragen eröffnet. Im Zentrum des Gedenkens hier wie in vielen Orten bundesweit: die zig Millionen Opfer beider Weltkriege sowie von Gewalt und Terror. 80 Jahre dürfen wir in Deutschland nun schon in Frieden leben: Das ist eine lange Zeit. Und doch alles andere als selbstverständlich.

„Krieg, das war etwas, das in den Geschichtsbüchern stand, aber nicht mehr im realen Leben vorkam“, blickt Andreas Müller, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein und Kreisvorsitzender des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, an diesem Morgen in Gosenbach zurück.

Nun sei er mit Putins Angriffskrieg auf die Ukraine sehr nahegekommen. „Wieder fliehen Menschen vor Bomben, sterben Kinder, brennen Städte.“ Wieder wollten mehrere Staaten Atomwaffen testen: „Das sind Nachrichten, die viele von uns noch vor wenigen Jahren für undenkbar gehalten hätten.“ Der Volkstrauertag erinnere „an das Leid der Vergangenheit. Aber ermahnt uns auch für die Zukunft: Erinnern heißt nicht nur zurückblicken. Erinnern heißt: Verantwortung übernehmen“, mahnt Müller, sich für Freiheit, Demokratie und das Miteinander in Europa einzusetzen. Im Großen wie im Kleinen. Tag für Tag.

Auf den Trümmern des 2. Weltkriegs sei etwas Neues, bis dahin Undenkbares entstanden: die Idee eines Europa. „Die EU ist eines der erfolgreichsten Friedensprojekte der Menschheitsgeschichte. Ihr Versprechen: Nie wieder Krieg auf dem Kontinent. Das wird heute wieder auf die Probe gestellt.“

Ein trauriges Fazit laute: „Wir leben in einer Welt, in der alte Gewissheiten bröckeln und neue Unsicherheiten wachsen.“ Zusammenhalt sei unabdingbar. Schülerinnen des Siegener Gymnasiums Am Löhrtor riefen zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung auf: „Viel zu leicht ziehen wir Menschen uns aus der Verantwortung und schieben Versäumnisse und Fehlentscheidungen diktatorischer Regimes und ultranationalistischer Machthaber auf lückenhafte Systeme“, betonte Elsa Graumann.

„Wir vergessen, dass der Ursprung nie ein Schlupfloch im Gesetz war, das zu einem Überlegenheitsgefühl eingeladen hat. Der Ursprung war immer Hass. Hass auf Menschen, Religion, Hautfarbe und/oder Geschlecht. Die Menschen, derer wir heute gedenken, haben diesen Hass mit ihrem Leben bezahlt.“ Elisabeth Dangendorf erzählte, wie schwierig es für sie als junge Frau sei, das Ausmaß von Tod und Verderben allein der beiden Weltkriege überhaupt zu begreifen. „Die Opfer bleiben daher schon fast fiktive Relikte aus einer scheinbar weit zurückliegenden Zeit. Ihr Leid ist für uns, die wir nie Krieg erlebt haben, so absurd grausam, dass der Verstand aufgibt bei dem Versuch, es als reales Geschehnis einzuordnen.“

Die Schülerschaft des Gymnasiums Am Löhrtor habe Wünsche: „Dass alle, die hier stehen, heute merken, wie das Versagen in Sachen Frieden der letzten Jahrtausende zu einer Opferzahl geführt hat - so hoch, dass jeder Gedenkversuch scheitern wird.“

Dies müsse Anlass sein, sich ehrlich vor Augen zu führen: „Die Vergangenheit ist nicht unsere Schuld, aber die Zukunft unsere Verantwortung! Scheitert hier heute gemeinsam daran, den Opfern gerecht zu werden. Aber werdet dafür dem Anspruch und der Moral unserer Zukunft gerecht“, so Dangendorf.

Karsten Schreiber, Gemeindereferent der ev.-ref. Emmaus-Kirchengemeinde Siegen, erzählte auf sehr persönliche und berührende Weise, wie er als Vater mit seinen beiden Teenager-Söhnen einen Soldatenfriedhof in der Normandie besuchte.

„Dortliegen auch Gefallene, die nicht älter als 15, 16 oder 17 wurden. Das hätten meine Söhne sein können. Jugendliche, die verpflichtet wurden, zu kämpfen und ihr junges Leben unter unglaublichen Umständen verloren hatten. Verblendet von einer Ideologie.“ Deshalb sei der Volkstrauertag so wichtig: „Wir müssen es zulassen, dass diese Kreuze Gesichter werden. Uns ganz nahe kommen.“

Elisabeth Dangendorf ergriff schon im Vorjahr das Wort bei der Gedenkfeier in Gosenbach. Ihr zur Seite stand Elsa Graumann.

„Krieg ist eine präsente Angst“: Was der Volkstrauertag zwei Schülerinnen bedeutet (Siegener Zeitung)

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Erstellt: 15. November 2025

Krieg in der Ukraine, vor unserer Haustür, Debatten über die Wiedereinführung der Wehrpflicht: Zwei Löhrtor-Gymnasiastinnen bringen sich am Sonntag bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag ein. Spielt dieser Tag noch eine Rolle in ihrer Generation?

Von Anja Bieler-Barth

SIEGEN/GOSENBACH. Volkstrauertag: Das Wort wiegt schwer. Es ist ein Tag, der nach Stille klingt, nach Gedenken, Verlust und Trauer, nach Vergangenheit. Es ist ein Wort, das in Schulbüchern steht, aber selten im Alltag fällt. Und doch: In einer Zeit, in der wieder Krieg selbst in Europa herrscht und die Nachrichten voller Bilder von Leid und Flucht sind, bekommt dieser Tag eine neue Dringlichkeit.

Das sehen auch Elsa Graumann und Elisabeth Dangendorf, beide 17 Jahre jung, so. Sie besuchen die Q1 (Jahrgangsstufe 12) des Siegener Gymnasiums Am Löhrtor. Sie gestalten am Sonntag, 16. November, 11.15 Uhr, die Gedenkfeier des Kreises Siegen-Wittgenstein, genauer gesagt des Kreisverbands Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, mit.

Im Gespräch mit der Siegener Zeitung erzählen sie sehr reflektiert, welche Bedeutung der Volkstrauertag für sie hat. Was bewegt sie dazu, auf der Kreisehrengedenkstätte im Siegener Ortsteil Gosenbach am Sonntag ans Mikrofon zu treten? Finden Sie diese Art des Gedenkens in Anwesenheit auch von Soldaten zeitgemäß?

Die beiden Schülerinnen haben eine ganz klare Meinung: „Ich finde den Rahmen der Feierstunde in Gosenbach absolut angemessen“, sagt Elisabeth Dangendorf, die schon im vergangenen Jahr die Möglichkeit nutzte, dort das Wort zu ergreifen.

„Wir werden seit etwa zehn Jahren von Landrat Andreas Müller gefragt, ob sich Mitglieder unserer Schülervertretung einbringen wollen“, erklärt Schulleiter Reiner Berg, der es ganz wunderbar findet, dass bei aller Notwendigkeit des Erinnerns und Gedenkens auch Gegenwart und Zukunft nicht aus dem Blick geraten, junge Stimmen Gehör finden.

„Das Leid, das Kriege in aller Welt über so viele Menschen gebracht haben und auch heute bringen, ist unermesslich: Einem so großen Thema kann man ja eigentlich gar nicht gerecht werden“, zeigt sich Elisabeth Dangendorf nachdenklich. Und doch sei es immens wichtig, es zu versuchen. Wie am kommenden Sonntag in vielen Orten kreisweit.

Nein, räumen die beiden Gymnasiastinnen ein: Der Volkstrauertag habe bis zum Vorjahr in ihrem Leben keine Rolle gespielt. „Unsere Generation und auch die unserer Eltern haben ja das große Glück, in Friedenszeiten leben zu dürfen. Und es ist nun einmal so: Je länger schlimme Ereignisse wie z.B. die beiden Weltkriege zurückliegen, desto weniger sind sie in der alltäglichen Gegenwart präsent“, sagt Elisabeth Dangendorf.

Hat der Kriegsausbruch in der Ukraine „den Krieg“ in den (Schul-)Alltag getragen? „Klar: Dieser Krieg findet vor unserer Haustür statt. Das wurde z.B. im Politikunterricht behandelt. Ich finde es aber auch erschreckend, wie schnell man sich viel zu sehr daran gewöhnt hat“, sagt die Anzhausenerin, die sodann betont: „Auch deshalb sind Gedenkfeiern wie am Volkstrauertag so wichtig!” Den Volkstrauertag gibt es seit 1922. Seit 1952 wird er immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen. Gedacht wird mittlerweile der Toten beider Weltkriege, der Opfer von Gewalt und Terror weltweit.

Für Löhrtor-Schülersprecherin Elsa Graumann ist der Volkstrauertag weit mehr als ein Pflichttermin. „Ich finde, es ist eine wundervolle Veranstaltung, so wie ich sie in Gosenbach erlebt habe“, sagt sie. „Aber ich habe das Gefühl, dass viel zu wenige davon mitbekommen.“

Elsa Graumann (l.) und Elisabeth Dangendorf, Schülerinnen des Siegener Gymnasiums am Löhrtor, sind der Meinung: Der Volkstrauertag gehört in die Mitte der Gesellschaft. Noch feilen beide an ihrer Rede am Volkstrauertag.	Foto: Anja Bieler-BarthHat die aktuelle Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht das Thema „Krieg“ in das Schulleben getragen? Wird darüber auf dem Pausenhof gesprochen? „Ich habe den Eindruck, viele verdrängen dieses Thema in der Schule, weil es sehr belastend ist“, sagt Elsa Graumann. „Auch ich kann mich nicht davon freisprechen. Wenn man aktuelle Themen wie die nächste wichtige Klausur hat, beschäftigt man sich eher mit der Frage, wann ich dafür lerne als mit dem Gedanken: ,Oh nein! Krieg!’“

Das sei aber auch eine Art Selbstschutz: Sonst könne man sich kaum unbeschwert mit der eigenen Zukunft beschäftigen. Denn natürlich gehe die weltpolitische Lage nicht an ihrer Generation vorbei: „Klar, da ist diese Angst: ob wir z.B. später noch so leben können wie unsere Eltern. Es kann ja gut sein, dass es Krieg gibt. Das ist schon eine präsente Angst in meinem Leben.“

Umso wichtiger finden es die beiden 17-Jährigen, dass der Volkstrauertag nicht nur erinnert, sondern auch wachrüttelt: „Er arbeitet gegen das Vergessen auf mehreren Ebenen. Gegen das Vergessen vergangener Kriege und des Leids gebrochener Generationen, aber auch gegen das Verdrängen.“ Der Volkstrauertag erfülle ganz zentral die Rolle, vor Augen zu führen: „Wir als Gesellschaft haben die Verantwortung, uns dessen bewusst zu werden und dagegenzuhalten.“

Behutsam geht das Gymnasium Am Löhrtor mit dem Einsatz von digitalen Mitteln im Unterricht um. Maren Weber (im Bild stehend) möchte die Selbstregulation der Schüler fördern. Foto: Björn Hadem
Behutsam geht das Gymnasium Am Löhrtor mit dem Einsatz von digitalen Mitteln im Unterricht um. Maren Weber (im Bild stehend) möchte die Selbstregulation der Schüler fördern. Foto: Björn Hadem

Mit Füller statt iPad: Löhrtor-Gymnasium setzt auf analoge Stärke (Siegener Zeitung)

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Erstellt: 15. Oktober 2025

Fünft- und Sechstklässler schreiben am Siegener Gymnasium am Löhrtor mit Füller und auf Papier. Schulleiter Dr. Berg hält den unreflektierten Umgang mit Handys und sozialen Netzwerken für „brandgefährlich”. Mit Schülern und Eltern werden Mediennutzungsverträge geschlossen - auch für zu Hause.

Von Björn Hadem

SIEGEN. Das Gymnasium Am Löhrtor steht nach eigenen Angaben für Augenmaß im Umgang mit der Digitalität im Lernalltag seiner Schülerinnen und Schüler. Dass die Omnipräsenz des Handys im Alltag der Schüler womöglich mehr sei als ein schlichter Störfaktor in der Aufmerksamkeit beim Lernen und Interagieren, weiß Schulleiter Dr. Reiner Berg aus eigener Erfahrung im Unterricht, aber auch aus wissenschaftlichen Studien.

Für „brandgefährlich“ hält er den „unreflektierten Umgang mit den Handys und den sozialen Netzwerken“. Dr. Reiner Berg führt dazu weiter aus: „Lernpsychologisch gibt es wichtige Erkenntnisse: Die permanente Ablenkbarkeit durch Handys ist nicht gut fürs Lernen wie für die Entwicklung der Strukturen im Gehirn.“ Daraus könne eine Sucht erwachsen, verbunden
mit „Unkonzentriertheit und einer permanenten Bereitschaft, an sein Handy gehen zu wollen“.

Vor diesem Hintergrund schließt das Gymnasium Am Löhrtor mit jedem Schüler und dessen Eltern einen Mediennutzungsvertrag ab - eine Art Erziehungshilfe für eine eingeschränkte Nutzung auch in den eigenen vier Wänden daheim.

Die Oberstudienrätin Maren Weber, am „GAL“ Lehrerin für Sport und Deutsch, erläutert: „Der Vertrag definiert zum Beispiel klar, wann die Kinder abends ihr Handy beiseitelegen müssen und dass das Handy nachts nicht im Schlafzimmer zu liegen hat.“ Dem Schulleiter ist bewusst, dass das Gymnasium damit durchaus in die Erziehung eingreife: „Der Hintergrund dafür ist aber unsere Feststellung, dass Cybermobbing zunimmt. Natürlich können wir niemanden zwingen, diesen Vertrag zu unterschreiben, klar ist aber: Diese Maßnahme sensibilisiert alle in hohem Maße.“

Während andere Schulen iPad-Klassen installieren und schon in der Unterstufe ein Lernen und Arbeiten jenseits von Heften und analogen Schreibgeräten kultivieren, ist der Füller bei den Fünft- und Sechstklässlern des Gymnasiums Am Löhrtor ein tägliches Arbeitsgerät. Das iPad indes kommt als Lernmedium nur gezielt und dosiert zum Einsatz.

Schulleiter Berg: „Bekanntermaßen rudern die skandinavischen Länder komplett zurück, was die Digitalisierung im Schulunterricht angeht, weil sie festgestellt haben, dass damit der Lernerfolg nicht garantiert ist.“

Intensiv fördern wollen die Lehrkräfte am GAL derweil die „exekutiven Funktionen“ bei Schülerinnen und Schülern - „die Grundlage dafür, dass Menschen sich selbst regulieren können“, so Maren Weber. Dabei gehe es darum, Impulse zu kontrollieren, außerdem um ein funktionierendes Arbeitsgedächtnis zum Abspeichern von Gelerntem und schließlich die kognitive Flexibilität, sich auf neue Situationen einzustellen. Dies geschieht im Unterricht durch eine Kombination von Bewegung, Spiel und Sport mit Lerninhalten und ist in allen Fächern anwendbar. Maren Weber weiß, warum dieser Ansatz so wesentlich ist: „In dem Moment, in dem die Selbstregulation bei Schülern gut funktioniert, sind sie auch in der Lage, sich in und außerhalb der Schule besser zurechtzufinden. Sie verfügen damit über ein Instrumentarium, dem Stress zu begegnen, der auch durch Handykonsum auf sie einprasselt.“

  1. Gymnasium Am Löhrtor: Handys werden einkassiert (Siegener Zeitung)
  2. Schule ohne Hausaufgaben - wäre das was? (Siegener Zeitung)
  3. Gymnasium am Löhrtor triumphiert bei Cern-Wettbewerb (Siegener Zeitung)
  4. Schüler gewinnen Reise nach Genf (Westfälische Rundschau)

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